Es ist Sonnabend 8 Uhr, der Wecker klingelt. Verschwommen, noch mit Schlafsand in den Augen nehme ich meine Umwelt war. Die Nacht war kurz, sehr kurz. Bis tief in die Nacht hinein haben wir Plakate entlang der Demostrecke aufgehangen und bewacht. Ich putze Zähne, schmeiss mir etwas Wasser ins Gesicht, für Duschen ist heute keine Zeit. Denn gleich ist Frühstück angesagt, mit vielen Kameraden und ich will nicht unpünktlich sein.

Auf dem Weg zu unserer Zentrale denke ich über die letzten Tage, Wochen und Monate nach. Die Kampagne „Sag was du denkst!“ hat viel Aufmerksamkeit erregt. Sei es unsere Kundgebungstour, die Aktion „Wir schäumen vor Wut“ oder das Straßentheater in Leipzig. Es wurde probiert neue Wege zu gehen und alte Dogmen zu durchbrechen. Hat sich dieser Aufwand gelohnt? Werden wir wieder nur mit 50 Leuten auf der Straße stehen? Kommen wieder diese Chaoten, die unsere ganze Vorarbeit kaputt machen? Lässt uns der Staat die Strecke laufen? Diese ganzen Gedanken gehen mir durch den Kopf.
Zum Glück ist der Weg zur Zentrale schnell überstanden und die meisten Kameraden sind schon vor Ort . Auch Freunde aus Flandern sind in der Nacht angekommen. Ich begrüße sie und es gibt ein kurzes Gespräch. Nun wird im Kreise der Kampfgefährten gefrühstückt, wir müssen stark sein, es wird ein langer und anstrengender Tag.

Es ist 12 Uhr am Bahnhof-Zentrum in Döbeln. Die meisten Aktivisten sind schon eingetroffen. Das Bild was wir abgeben sieht gut aus, anscheinend haben die vorher veröffentlichten „Internen Auflagen“ geholfen. Man hört schon von den ersten Schikanen der Polizei. So wurde eine Teilnehmerin von der Polizeieinheit 13/12 angezeigt, weil sie ein Tattoo mit der Zahlenkombination 1312 hat. Wer die Ironie in dieser Aktion findet, darf sie behalten…

Gegen 13 Uhr sind dann alle Teilnehmer eingetroffen. Die Trommeln ertönen und der Aufzug setzt sich in Bewegung! Bunte Transparente, gelbe Luftballons, die Fahnen der JN und die Kampagnen-Hemden bestimmen das Bild der Demonstration. Es herrscht Disziplin, denn die Menschen die heute gekommen sind, wissen um was es geht! Freiheit – Arbeit – Heimat – Zukunft – Perspektive – dafür gehen wir, wir Deutschen heute auf die Straße. Wir sind heute die Träger unserer Weltanschauung und dieses scheint wirklich jedem bewusst zu sein. Lautstark schallen die Parolen durch die Gassen der Stiefelstadt. Kaum ein Fenster bleibt leer, jeder in der Stadt weiß, heute gehen die Jungs und Mädels auf die Straße, welche in der letzten Woche schon 4 Kundgebungen abgehalten und tausende Flugblätter verteilt haben.

3 Kundgebungen gibt es heute. Es sind Redner aus dem Westen der Bundesrepublik gekommen, aber auch aus Mähren und Flandern. Jeder ist heute gekommen um zu sagen, was man denkt. Welche Organisation, welche Partei oder wie man sich nennt, ist heute egal. Heute zählt nur eins und das ist die Zukunft unseres Volkes!

Die Handlanger der Herrschenden konnten es heute nicht verhindern. Wir sind die ganze Strecke gelaufen, wir konnten durch Reden, Schilder und Parolen unsere Forderungen Kraft verleihen. Mögen wir auch heute nur einige Hundert gewesen sein. So haben wir doch tausende Mitbürger erreicht. Es wird die Zeit kommen, denn die Zeit ist reif, dann werden wir tausende Aktivisten sein und wir werden hunderttausende Deutsche erreichen.

Wichtig ist nur, sagt weiter was ihr denkt! Und so werdet ihr nicht zum Knecht!