Ein rauchiger Geruch liegt über dem, was noch vor einigen Tagen der Hof meiner Sippe war. Noch nach zwei Tagen glimmen die Balken, die das Dach mit den Pferdeköpfen trugen. Alles Vieh ist geraubt. Weil wir den Zins nicht zahlten und uns diesem fremden Gott nicht beugen wollten.


Den zehnten Teil unserer Habe sollten wir abgeben und dem Wode und der Frigge absagen, so hatte es der Frankenkönig befohlen. Weit lebte er weg, fern unserer Wälder, aber nun fiel er in unser Land ein und zerstörte unsere heiligen Haine und Plätze, der Irminsul voran, an denen wir unsere Versammlungen abhielten und den Göttern für gute Ernte dankten.
Die Scheinheiligkeit der Priester, die hatten wir schon kennengelernt. Sagte man den Göttern ab und ließ sich taufen, so war man fortan Leibeigener, der jährlich den zehnten Teil seines Eigentums an den Lehnsherren abtreten musste. Sagte man ihm ab, folgten dem Missionar Landsknechte, die Haus und Hof verbrannten, Vieh schlachteten und schlimmeres als den Tod unseren Frauen und Kindern antaten.


So war es nun auch mir passiert, beschwichtigt haben wir uns, dass der Zustand nicht lange währen würde, aber es war anders. Nun sollte auch mein Hof missioniert werden. Auf meine Absage hin verlor ich nun alles. Und was mir nun bleibt, ist das schwere Los meiner Familie ein Hügelgrab zu errichten.
Pfahl seien meine Augen geworden, sagen die einen und blaß mein Gesicht. Die Asche legte sich auf mein Haupt und will nicht verschwinden. Die Nacht bricht herein und die schweren Gedanken weichen dem dämmrigen Schlafe.

Als ich erwache regt sich im ganzen Dorf schon Treiben, die Menschen sind aufgebracht und reden. Reiter sind gekommen. Sie rufen uns zu sich und berichten, dass wir nun gegen den Franken fahren, ihm heimzuzahlen, was er uns antat. Für den Abend ist ein Thing einberufen zu entscheiden, wie unsere Sippe verfahren will.
Bei meinem Eintreffen wird es schnell ruhig, alle sitzen im großen Kreise und sprechen für und wider dem Kampfe. Am Ende aber entscheiden wir, dass wir in den Krieg ziehen müssen, wenn wir unsere Freiheit wahren wollen. In zwei Tagen sammelt sich das Heer und unsere Sippe wird ihre Krieger entsenden den Franken nieder zu ringen.
Die Sense, mit der ich das frische Gras für die Rinder und den Hafer für das Pferd schnitt, weicht nun dem mächtigen Einhänder, den schon mein Vater im Streite führte. Mein Stein wetzt nun seine lange Klinge, andere dengeln ihre Sensen gerade, üben sich im Bogenschießen und dem Speerwurf. Dann einen Abend vor dem Abrücken, ziehen wir in den Wald, an den Hain des Donar, ihn um gutes Geschick in der Schlacht anzurufen.


Die alten Runensteine, die schon in Zeiten unserer Großväter hunderte Jahre alt waren, liegen zerbrochen da. Alles ist zerstört und die alten Eichen, die Donarseichen, liegen gefällt hernieder. Doch weiß der Feind nicht, das Gott im Walde lebt, im Winde flüstert und aus uns spricht. Der Hain hat seine Kraft nicht verloren.


Am nächsten Morgen ziehen wir früh aus, nur ein Tagesmarsch trennt uns vom Heerlager des Feindes. Tausende sind gekommen, viele werden sterben. Doch speisen sie dann am Abend der Schlacht mit unseren Ahnen. Wir erreichen das Schlachtfeld. Der Franke musste sich Hals über Kopf auf uns vorbereiten. Er hatte es versäumt, sich auf dem Hügel aufzustellen. Nun muss er sich aus der Senke unserem Heere stellen. Hier sind wir nun, das Geschlecht der Sachsen, am Abgrund stehen wir. Wenn wir verlieren, so sterben wir, aber wir sterben frei. Ein gewaltiger Schlachtruf durchdringt die Reihen, Schwerter und Äxte schlagen gegen die Schilde, in einem Takte. Das Rasseln wird immer bedrohlicher. Ich stehe in erster Reihe. Mit meinem Einhänder werde ich in die ersten Reihen einschlagen. Das Horn bläst zum Angriff. Unter dem Beschuss der feindlichen Bogenschützen brechen wir voran, Speerträger, Axtkämpfer und Berserker mit ihren gewaltigen Waffen. Hier werden wir in die Freiheit gehen und das Heer Karls des Großen zu rohem Mett zerhacken.