Lieber Abschiebär,

ich bin der Platzhirsch. Vielleicht hast du schon von mir gehört? Seit einiger Zeit verfolge ich in meiner Rolle als Maskottchen, den Kindern und Jugendlichen auf dem Weg ins Erwachsenwerden, eine gesunde Vorstellung der Zukunft zu vermitteln. Ich thematisiere vor allem die Zerstörung des eigenen Körpers. Derzeit ist es angesagt, neben ungesunder Ernährung und mangelnder Bewegung, seinem Körper durch die Droge Crystal Meth den Rest zu geben. Selbst in den Nachrichten wird schon berichtet, welche  schwerwiegenden Folgen diese  neumodische Droge nach sich zieht. Ich möchte dich nicht damit nerven, aber du musst dir vorstellen, dass selbst eine Schwangerschaft die Menschen nicht davon abhält diese Droge zu sich zu nehmen. Die Neugeborenen sind viel zu jung, zu leicht, unterentwickelt und haben schon in ihrem zu schützenden Alter einen kalten Entzug vor sich. Das diese Kinder nie richtig leben können, ist unverantwortlich. Ich bin richtig sauer und enttäuscht, wie fahrlässig mit einem Menschenleben umgegangen wird-nicht nur in dieser Hinsicht.

In den letzten Wochen habe ich mich entschlossen die Kampagne „Sag, was du denkst!“ zu unterstützen. Ich denke nämlich, dass es wichtig ist die Jugendlichen zu ermutigen,  Dialoge zu führen und kritisch zu sein. Ich wanderte also mit meinen guten Freunden durch ganz Sachsen. Wir besuchten verschiedene Schulen und verteilten dort Informationsmaterial, welches unter Anderem die oben genannten Themen  beinhaltete. Das war klasse! Ich habe mich teilweise sehr über die Reaktionen gefreut. Selbst eine Lehrerin begrüßte mich mit einer Umarmung. Ich bin nun mal freundlich, nett und sehr aufgeschlossen. Genauso wie du, lieber Abschiebär!

Die Meinungsdiktatur und die stetige Beschneidung von Freiheiten in Deutschland sind heute in weiten Kreisen längst bekannt. Der Spießbürger, der sich sonst gerne bieder gibt, regt sich gerne am Stammtisch darüber auf. Doch außerhalb von Wahlkabinen und dunstreichen Kneipen traut er sich keineswegs die Probleme beim Namen zu nennen.

Es dauerte leider nicht lange bis das Innenmisterium, gemeinsam mit den Schulleitern beschloss, mir Hausverbot an allen Schulen zu erteilen. Das hat mich sehr traurig gemacht, denn ich denke, dass ich das Richtige mache. Dennoch habe ich mich nicht unterkriegen lassen. Ich habe weiter gemacht. So soll es schließlich auch sein. Ich habe mich nämlich nicht auf dem Weg gemacht, um mir das Wort verbieten zu lassen. In den Medien wird so oft von Politikern über Meinungsfreiheit gesprochen, doch in der Realität ist davon nichts zu spüren. Aus diesem Grund habe ich es mir ebenfalls zur Aufgabe gemacht, den Menschen wieder beizubringen sich über Missstände zu empören und zu sagen, was sie denken. Ihre Stimmen sollen Gehör finden und nicht in dunklen Kämmern verhallen.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte:
Ich möchte dir unbedingt sagen, dass ich dich ganz toll finde! Deswegen schreibe ich dir überhaupt diesen Brief.  Du bist mutig und du sagst, was du denkst! Ich sende dir also hiermit beste Grüße in deine Gesinnungshaft. Ich kann immer noch nicht nachvollziehen, warum sowas mit dir gemacht wird. Ich bin jedenfalls in Gedanken immer bei dir und hoffe du bleibst standhaft. Und wenn du wieder auf freiem Fuß bist, müssen wir uns unbedingt einmal persönlich kennenlernen! Ich wünsche dir alles Gute für die bevorstehende Zeit.

Herzliche und hirschige Grüße

 Dein Platzhirsch
-Der Schülersprecher-