Ist das nicht ein schönes Land indem wir leben? Hier kann man kostenlos baden gehen, Wasser ist genügend für alle da und Arbeit kann man auch finden, wenn man will. Was ist eigentlich mit diesen ganzen Aktivisten, Euroskeptikern und Systemgegnern los? Uns geht es doch gut. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Heutzutage muss man nicht einmal mehr arbeiten gehen, um sich seinen Abend mit Bier, Fußball und Chips leisten zu können. Der Staat zahlt und alle sind glücklich.

Das ist sie doch, die wir immer angestrebt haben. Die schöne neue Welt. Ist es nicht das Ziel eines jeden Menschen in einer Welt zu leben, in der es keinen Krieg gibt, in der alle Menschen gleich behandelt werden und man offen aussprechen darf, was man denkt? Aber eigentlich brauch das ja keiner. Uns geht es ja sowieso gut und daher sollte niemand Fragen stellen. Es wäre vermessen diese Welt zu hinterfragen. Man soll doch dankbar dafür sein und sich damit zufrieden geben, dass man ein solches Leben hat. Wer will denn schon mit den Palästinensern in Gaza tauschen? Aber halt. Dort ist ja Krieg. Und warum sagt dagegen keiner was? Wir leben doch in einem Land, in dem der Frieden ganz groß geschrieben wird und der Bundespräsident keine Möglichkeit auslässt, seine Gutmütigkeit zu präsentieren. Aber der hat ja auch schon wieder was von Interventionen gesprochen. Ich glaube, dabei ging es um diese weltverschwörerischen ISIS-Brüder oder um ein paar andere Terroristen.

Aber dagegen muss man doch nun wirklich etwas tun, oder? Ich meine, eine Welt, die so schön ist, wie die unsrige muss manchmal auch verteidigt werden. Auch wenn es bedeutet, dass dafür ein paar Häuser draufgehen. Letztlich sind die ja heute ziemlich zielgenau mit den Drohnen. Da werden bestimmt auch nicht mehr so viele Kinder getötet. Wir können als demokratisch gesinnte Weltbürger nicht einfach feige wegschauen wie irgendeine Brut mit geklauten Flugzeugen Türme zum Einsturz bringt. Das geht wirklich nicht mehr. Wahrscheinlich hat Herr Gauck recht damit, dass wir nun auch mal Richter sein müssen. Schließlich waren wir bisher auch die Verlierer der Geschichte. Nun können wir uns mal wieder etwas erheben, haben ein wenig Mitbestimmungsrecht und dürfen wieder Krieg führen. Eigentlich war das doch schon immer so, oder? Ich meine, es gab doch immer irgendwelche Konflikte zwischen den Völkern und verschiedenen Kulturen. Aber in der Schule haben sie ja immer gesagt, dass diese Unterschiede gar nicht wirklich existierten. Ich erinnere mich wie unsere Biologielehrerin Frau Gabler einen Antirassismus-Vortrag gehalten hat. Alles andere führte immer nur zu Kriegen. Oft war dabei die deutsche Vergangenheit im Gespräch. Heute haben wir daraus gelernt und führen keine Kriege mehr. Außer eben gegen tollwütige Terroristen die in Höhlen leben, lange Bärte tragen und den größten Sicherheitsapparat der Welt bedrohen. Dieser Apparat hat es sogar geschafft unsere Kanzlerin auszuspionieren. Das hätte ich gar nicht für möglich gehalten. Eigentlich dachte ich immer die Amerikaner sind unsere Freunde. Schließlich haben sie uns auch immer so gute Tipps in der Bekämpfung von diesen Terroristen gegeben. Und wir haben immer getan, was sie von uns wollten.

Der Innenminister hat daraufhin auch von einem Vertrauensbruch gesprochen. Aber die eiserne Lady blieb ganz nüchtern und beruhigte die Gemüter. Man könne aus irgendwelchen Gründen nichts dagegen machen. Ich weiß auch nicht so richtig, warum das so sein soll. Ich weiß auch nicht, ob es richtig von den Amerikanern war uns auszuspionieren oder falsch von einigen Politikern, das sie unseren Brüdern und Schwestern aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten so hochtrabend gegenübertreten. Eigentlich weiß ich nicht einmal richtig, ob die Bundesrepublik völlig eigenständig handelt. Vielleicht stelle ich aber auch die falschen Fragen? Früher, im Unterricht für Politische Bildung hat Frau Wagner mir das auch immer gesagt. Ich habe daraufhin aufgehört solche Fragen zu stellen. Sie meinte, dass das meinen beruflichen Werdegang massiv beeinflussen könnte.

Ich weiß eigentlich auch nicht so richtig, wie sie das meinte. Hätte ich nachgefragt, wüsste ich es vielleicht heute. Aber es war einfacher keine Fragen zu stellen. Hey, und wenn wir ehrlich sind, dann habe ich doch nur gemacht, was man von mir verlangte. Insgesamt also alles richtig gemacht.

Im Grunde genommen bin ich selbst davon ja auch nicht betroffen. Ich meine der Gazastreifen liegt so weit entfernt von mir, um eine Rakete abzubekommen. In der Stadt weiß ich auch, welche Straßen ich meiden muss. Und so schlimm mit der Finanzkrise kann es hier in Deutschland auch nicht kommen, wie es in Griechenland der Fall ist. Noch ist doch alles gut. Man soll sich nicht immer beklagen. Das ist doch sowieso was für verbohrte Spießer, oder?

Ich werde jetzt lieber nicht zu viel erzählen. Man weiß ja nicht, wo das alles im Internet landet. Am Ende heißt es noch ich wäre ein Nazi oder so.

Ist doch eine schöne neue Welt in der wir leben, oder?